Bergetappe, und als die Dame in Blau ohne meinen Schatz an uns vorbei saust, ist mir schon ganz bange. Ich muss Geduld zeigen, aber dann kommt auch er! Hier sehe ich ihn nur für Sekunden. Genug, um seine Worte, „das ist der Wahnsinn, da oben“, zu hören.
Nun aber schnell zur Wechselzone, Fotos schießen und ganz viele Ermunterungen rufen. Als er das Rad abgestellt hat, kann er noch lächeln, aber seine Füße wollen der Erdanziehung nur ungern widerstehen. Jetzt nur nichts Falsches sagen!
„Super, mein Schatz! Bald hast du es geschafft!“ Na ja, war wohl nicht ganz gelungen. Sieben Kilometer können verdammt lang sein. Wo ist das Feld geblieben? Warum folgen ihm kaum mehr als eine Handvoll Athleten? Dann sehe ich ihn hinter einer Biegung verschwinden und laufe ihm auf dem Rundkurs entgegen. Der angehende Sieger kommt mir schon nach wenigen Metern entgegen. Rasch werfe ich ihm Glückwünsche zu und haste weiter. Kurz darauf brandet der Applaus unter den geschätzten 50 Zuschauern auf. Der junge Mann läuft noch immer locker und ist kaum mehr als eine Stunde unterwegs gewesen. Nun habe ich für einige Kilometer die Gelegenheit, das Feld an mir vorbei laufen zu lassen. Es ist derart weit auseinander gerissen, dass ich jeden Einzelnen anfeuern kann. Die Jugendlichen grüßen irritiert und freundlich zurück. „Grüss di!“ Bald stehe ich allein im Wald und inspiziere den verwurzelten Weg, der an manchen Stellen bedenklich abschüssig wird. Zum Glück ist
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abschüssig wird. Zum Glück ist es trocken. Da lobe ich mir die Elbchaussee als Rennstrecke.
Wenn ich meinem Schatz noch weiter entgegen laufe, dann ist er womöglich total entmutigt. Die erste Frau ist schon lange im Ziel und bald entdecke ich auch die Athletin in Blau. Ob er gestürzt ist, aufgegeben hat oder einfach nur fertig ist?
Dann sehe ich seine kräftige Gestalt den Waldweg herunter kommen. „Mein Held! Bravo! Ganz toll!“ Er lacht.
„Schön … da.. du da bist“, scheint er zu sagen, „Danke.“
„Nicht sprechen! Jetzt geht es nur noch runter. Es ist nicht mehr weit. Da vorn ist schon der Fluss, dann kommt der ebene Weg, bald sehen wir das Dorf und dann hören wir auch schon den Stadionsprecher! Dort kannst du dich feiern lassen.“
„Am Ende … noch eine Steigung!“
„Nur eine ganz Kleine. Das schaffst du schon.“
Als ein schwergewichtiger Herr uns schnaubend überholt, versuche ich meinen Schatz mit Urlaubserinnerungen abzulenken.
Eine Handvoll Fans warten am Ortseingang, das Begleitmotorrad filmt uns sogar, und ich lasse meinen frisch gebackenen Alpentriathleten allein über die Ziellinie laufen. Ich sehe noch, wie er die Arme hoch reißen kann und bekomme eine wohlige Gänsehaut.
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