Ähnliches erfahren zu haben. Wir tippen auf Lehrer und sozial engagierte Nichtarbeitslose. Der Wein ist immer noch gut, aber die rohen Spinatblätter werden von einem langweiligen Dressing begleitet und schlagen mit 8,10 Euro unschön zu Buche. Angeblich soll es wilder Spinat sein. Keine Ahnung, wo so etwas wächst, und ob unsere Euros angemessen an die Wildspinatsucher weitergeleitet werden.
Bevor der Wein noch besser schmeckt, beziehen wir unsere Unterkunft im „Viertel“. Mein Ex hat den Schlüssel unterm Mülleimer deponiert, und mein Liebster ist tolerant genug, unser Schlaflager hier aufzuschlagen. Schließlich gehört der Ex, genau wie mein letzter Spaziergang am Weserdeich, in die 80er Jahre.
Später schlendern wir durch das so genannte Ostertorviertel und sind gleichermaßen begeistert von den schönen Bremer Häusern, den üppigen Vorgärten, Cafés, Restaurants und Kneipen. Leider verwöhnt uns der  norddeutsche Sommer noch nicht mit einer lauen Nacht, aber wir finden ein nettes Plätzchen in einer Bar mit schwulen Kellnern, einem angehenden Liebespärchen, einer Alt-68er-Runde und Becks vom Fass.
Bremen, 14. Juni, 20°, Sonne. Vor dem Frühstück laufen wir durch den Bürgerpark. Auf der Haupttangente radelt die sommerlich gekleidete Bremer Studentenschaft durchs Grün zur Uni. Auf verschlungenen Seitenpfaden treffen wir auf unermüdliche Sportler, mit Stöcken hantierende Walker und idyllisch gelegene Cafés. Optimistische Wirte bereiten sich auf den ersten warmen Sommerta

auf den ersten warmen Sommertag seit Wochen vor. Beinahe verlaufen wir uns in der ausgedehnten Anlage und finden Orientierung am noblen Parkhotel. Nach dem Fitnessprogramm besorgen wir uns einen „Coffee to go“ und genehmigen uns, in der spartanischen Küche unserer Herberge, das leckere Brot aus Cloppenburg. Ein prüfender Blick zeigt mir deutlich, dass bestimmte Dinge sich wohl nie ändern. Zum Frühstück trank er auch damals nur Tee, keine Kaffeekanne weit und breit, die Bestückung des Kühlschranks ist ein einziger Affront gegen kulinarische Genüsse und das wenige Geschirr ist mir noch heute im Detail vertraut.
Wir setzen uns in den Zug nach Oldenburg und erreichen eine gute halbe Stunde später die schnuckelige Huntemetropole. Vielleicht hätte ich die Stadt nie verlassen, wenn der Job mich nicht an die Elbe geführt hätte. Wir ziehen durch die  Gassen der ausgedehnten Fußgängerzone, und ich bin fast stolz darauf, mich nicht zu verlaufen.
Von Bombenangriffen verschont, zeigt Oldenburg sein herausgeputztes und bürgerliches Gesicht. In den achtziger und neunziger Jahren hatte die Beamten- und Verwaltungsstadt neben der Universität auch ihre Kneipenszene enorm erweitert. Am Wochenende und während zahlreicher Feste platzt die Stadt regelmäßig aus den Nähten. Tagsüber sind es die Einkaufstouristen aus den Niederlanden, Ostfriesland und sogar aus Bremen, die das vielfältige Angebot schätzen,

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