vielfältige Angebot schätzen, am Abend ziehen die Partyfreudigen durch die Straßen.
Selbst an diesem Dienstagnachmittag ist die Innenstadt voller Menschen. Man grüßt sich mit einem knappen „Moin“ und übertreibt es auch sonst nicht mit vielen Worten.
Ich sehe bekannte Gesichter, und bald treffen wir auf einen alten Freund. Er ist einer der wenigen aus meiner Oldenburger Clique, der nach dem Studium hier geblieben ist. Doch er arbeitet nicht als Wissenschaftler, sondern als erfolgreicher Kneipier, der uns einlädt sein neues Lokal zu begutachten. Der gekühlte Riesling schmeckt mit Blick auf das alte Rathaus besonders vorzüglich, und wir plaudern über alte Zeiten. Flugs werden zwei Räder organisiert, womit wir perfekt ausgerüstet sind für eine Tour durch die Fahrradstadt des Nordens.
Hier gilt die Regel: Radfahrer haben Vorfahrt und immer Recht! Ortsfremde Autofahrer sieht man gelegentlich verschüchtert hinterm Lenkrad kauern und unentwegt den Kopf in alle Himmelsrichtungen drehen, um ja kein Zweirad zu übersehen. Unter den Radlern gilt eindeutig: Rechts schleichen, links fahren. Mein Sachse wird unter Missachtung dieser Regel prompt und lautstark von der Spur geklingelt.
In der Uni hat sich das alte Chaos aus Zetteln mit Bezugsgruppenhinweisen, antifaschistischen und antiimperialistischen Aufrufen und Insiderinfos über ferne und nahe Revolutionen zu einer peniblen Ordnung gerahmter Anschlagflächen universitätsinterner

Anschlagflächen universitätsinterner Gruppierungen gewandelt. Die Katholische Hochschulgruppe hat ihr Brett gleich neben dem Frauen- und Lesbenreferat. Zimmerangebote müssen offenbar nicht mehr die Informationen über Geschlecht, Alter und Studienrichtung der WG-Mitbewohner enthalten, sondern eher über die technische Ausstattung der Wohnung und nah gelegene Supermärkte informieren. In der Cafeteria, meiner ehemaligen Wirkungsstätte als Tellerwäscherin und Studentin, sitzen die angehenden Akademiker mit Laptops am Tisch und scheinen zu arbeiten. Dieser Anblick wirkt derart befremdlich, dass ich schnell hinaus möchte.
Der Tag endet nach einer ausgiebigen Besichtigungstour in einem Beachclub am kleinen Hafen. Ein lauer Sommerabend lässt das gestrige Frösteln vergessen. Noch einmal schaue ich in bekannte Gesichter, die schonungslos an den Lauf der Zeit erinnern. Wenn der junge Tresenmann mich jetzt auch noch siezt, dann muss ich mich eben in das Schicksal einer Mittvierzigerin fügen. Der letzte Regionalexpress bringt uns zurück nach Bremen.

Bremen, 15. Juni, 22°, Sonne.

Das Café Piano liegt in der Sonne und das Frühstück schmeckt köstlich. Mein Schatz ist so angetan von der Bremer Atmosphäre, dass selbst sein geliebtes Hamburg einigen Vergleichen nicht standhalten kann. Die Menschen seien hier viel gelassener

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