dir die Großherzogin Elisabeth“, verspreche ich großmütig am Ortseingang. “Wer ist das denn nun wieder?“
Die betagte Dame in Weiß liegt glücklicherweise an ihrem Liegeplatz im winzigen Hafen. So sammelt man Punkte als Fremdenführerin! „Lissy ist ein Drei-Mast-Topgaffelschoner!“ Mein Liebster schaut mich skeptisch an und denkt sicher, ich erzähle ihm Seemannsgarn, das kein Sachse je entwirren kann. Ich imponiere ihm noch mit einigen Episoden aus dem Film „Hans Warns – mein 20.Jahrhundert“. Der Elsflether war als 14jähriger kurz vor dem I.Weltkrieg mit seinem ersten Fotoapparat an Bord eines Segelschiffes gegangen und blieb der Seefahrt, dem Fotografieren und dem Filmen, fast ein Jahrhundert lang treu.
Einige Kilometer nördlich, in Brake an der Unterweser, gehen wir an Bord der Personenfähre „Guntsieth“ und setzen über nach Harrier Sand. Auf der Insel befinden sich einige Bauernhöfe und eine Wochenendsiedlung. Der Ort besticht weder durch Sehenswürdigkeiten, noch durch Schönheit. Und ganz sicher hat sich hierher auch noch kein Tourist aus dem fernen Erzgebirge verirrt. Allein schon der Ausblick auf den höchsten Getreidesilo Europas, im Braker Hafen, ist eher skurril als sehenswert. Trotzdem vermitteln der kilometerlange Sandstrand, die aufkommende Flut und die vorbeifahrenden Frachter und Segler ein Gefühl von Urlaub am Meer. Die Insel im Strom hat mir schon viele schöne Erinnerungen beschert, und dieser Tag wird sich ganz sicher dazu gesellen. Am Kios

dazu gesellen. Am Kiosk bedient eine ältere Dame mit grauer Wasserwelle und blumiger Kittelschürze. Es gibt sie also noch, die Frauen, die genauso aussehen, wie damals die Nachbarinnen in meinem Heimatdorf. Zwischen Strandgräsern suchen wir uns ein geschütztes Plätzchen im Sand und genießen die kleine Ruhepause. Ein Kurztripp hat den eindeutigen Nachteil kurz, zu kurz zu sein. Noch bevor die Sonne uns bräunen kann, müssen wir uns wieder anziehen und zur „Guntsieth“ eilen.
Es geht weiter nach Golzwarden, wo wir mit einer Autofähre nach Sandstedt übersetzen. Hier nun sind wir auf der „richtigen“ Weserseite, meiner Heimatregion. „De annere Sieth“ habe ich erst durch meine Zeit in Oldenburg kennen gelernt. Der Fluss ist noch heute eine natürliche Grenze zwischen der Wesermarsch auf der Westseite und der Region südlich von Bremerhaven. Erst kürzlich ist der Wesertunnel bei Dedesdorf eingeweiht worden. Zuvor war die erste Brücke im fünfzig Kilometer entfernten Bremen zu finden. Doch nicht nur der Tunnel hat die Landschaft verändert, auch die Umleitung und Begradigung der Lune bereitet mir Probleme bei der Orientierung. Hinterm Deich lugt die Kuppel des AKWs Esenshamm hervor. Hier habe ich als Teenager meine ersten Demoerfahrungen in der Anti-AKW-Bewegung gesammelt.
Rechtzeitig erreichen wir den Fischereihafen Bremerhaven, wo wir zum Fischessen verabredet sind. Auf dem Parkplatz wechseln wir unsere Strandkleidung, befreien uns wehmütig vom Sand und begrüßen unsere Freundi

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