vom Sand und begrüßen unsere Freundin, die an der Kaimauer wartet. Meine alte Heimat meint es gut mit uns und schenkt uns einen der wenigen lauen Abende. Die Gelegenheit für ein Abendessen unter freiem Himmel wird eifrig genutzt, und so finden wir nur mit Mühe Platz vor einem der zahlreichen Lokale im „Schaufenster Fischereihafen“, einer ehemaligen Fischpackhalle. Auf unseren Tellern landet Schellfisch, Steinbeißer und weißer Heilbutt. Ein üppigeres Fischangebot wird sich nur schwerlich finden.
Auf dem Weg zur City kann mein Liebster einen Kommentar über den Zustand der Straßen nicht unterdrücken. „Nach solchem Flickwerk muss man im Osten lange suchen. Das sieht hier ja aus, wie zu besten DDR-Zeiten.“
„Tja, bei euren hohen Ansprüchen ist für die armen Bremerhavener wohl nichts mehr übrig.“
Als Absacker genehmigen wir uns ein Bier in der „Alten Bürger“, wo das Nachtleben einst besonders ausschweifend war. Aber meine Freundin weist uns auf den Leerstand vieler ehemaliger Lokale hin und hat auch sonst nicht viel Positives über die Stadt am Meer zu berichten. Die Bevölkerungszahlen sinken und die Arbeitslosenzahlen steigen. Aber immerhin putzt sich die Gegend um den Alten und Neuen Hafen fein heraus, um für ein anstehendes Großereignis im August gerüstet zu sein. Dann findet hier die Sail, das größte europäische Windjammertreffen statt. Die Stadt erwartet über 200 Windjammer und mehr als eine Million Gäste.

Million Gäste.
Bremerhaven, 16.Juni, 19°, Sonne. Der Höhepunkt unserer Reise steht unmittelbar bevor. An der Seebäderkaje gehen wir an Bord der Goliath, einem Bergungsschlepper aus den vierziger Jahren. Bei ablaufendem Wasser stechen wir zum Leuchtturm Roter Sand in See. Manche der knapp 20 Passagiere scheinen für einen Hochseetörn gerüstet zu sein. Bei ihnen haben die einschüchternden Reiseunterlagen offenbar erhebliche Wirkung gezeigt. Dort ist die Rede von einer guten psychischen Konstitution, körperlicher Fitness und einer 6 Meter hohen Steigleiter ohne Geländer, die mitten auf hoher See bestiegen werden muss. Sechs Passagiere werden für einige Nächte auf dem Leuchtturm bleiben. Die drei Paare mittleren Alters finden schnell zueinander und ahnen, dass sie sich auf dem engen Raum, und in dem einzigen Schlafzimmer, das der Leuchtturm bietet, gut verstehen müssen. Die Tagesgäste werden derweil mit Kaffee und Brötchen versorgt und genießen den Blick auf die Columbuskaje.
„Hier habe ich als kleines Kind noch Passagierdampfer nach Amerika auslaufen sehen. Am Kai spielte eine Kappelle ‚Muss sie denn, muss sie denn zum Städele hinaus‘ und weiße Taschentücher flatterten im Wind.“
„Du flunkerst.“
„Nein, mein Vater hat mich aufs Moped gesetzt, um mir die Ozeanriesen zu zeigen. Waren sicher die letzten Fahrten nach New York, Mitte der Sechziger.“
Unsere Crew besteht aus pensionierten

<<
>>
Exit